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Das Heimatmuseum in Coesfeld-Lette

Das Museum zeigt sich in neuem Glanz nach zweijähriger Modernisierungsphase. Autorin: Dr. Anna Lammers

Tief im westlichen Münsterland liegt Lette, das „Windmühlendorf“, im Kreis Coesfeld: so beschaulich der Ort in seiner dörflichen Erscheinung wirkt, so rege ist sein Heimatverein – und zahllose andere Vereine und Gruppen. So verdankt Lette dem Heimat- und Verkehrsverein Lette e.V. ein frisch renoviertes „Heimathaus“ (das ehemalige Schulgebäude) mit einem ebenso neu gestalteten „Heimatmuseum“ – eröffnet am 13.9.2026. Haus und Neukonzeption wurden großzügig mit Landesmitteln und lokalen Förderungen finanziert.


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Der Bestand

Der Bestand des Heimatmuseums ist ein sehr typischer: Die Objekte reichen zeitlich bis in die Urgeschichte zurück (Gesteine und Fossilien), führen seit der Jungsteinzeit (Stein- und Bronzewerkzeuge, Keramik) durch die Jahrtausende bis heute: Historische Möbel, Einrichtungsgegenstände aller Art, Gebrauchsgüter und Kleidungsstücke aus Alltag und Festtagen, Funde fleißiger Hobbygeologen und aus einigen archäologischen Grabungen, Schenkungen aus aufgelösten Handwerksbetrieben, Privathäusern, Höfen, Inventar der alten Kirche. Dazu Münzen aus 800 Jahren, Bücher (vor allem fromme) und ungezählte Flachware: Dokumente, Karten und Pläne, Presseartikel, Fotos. Es ist eben ein „gewachsener Bestand“ und keine Sammlung mit klarem Konzept.

Er enthält allerdings einige Unikate und Besonderheiten von hohem wissenschaftlichem und historischem Wert. Der Heimatverein hat einen immensen Teil von mehr als 700 Objekten inventarisiert, beschriftet und in Listen erfasst. Die Herkunft vieler Objekte ist ungewiss, das Wissen aus Jahrzehnten des dörflichen Lebens, familiären Erzählungen und bürgerschaftlichem Engagement teils lückenhaft, teils widersprüchlich. Ambitionierte Heimatforscher:innen und auch Fachleute der Regionalgeschichte haben zu spezifischen Themen des Orts publiziert. Alles in allem besitzt das Museum einen reichen Schatz, der nun mit einer neuen Dauerausstellung gehoben wurde.

Die neue Konzeption

Aus dem Bestand haben zwei Ausstellungsplanerinnen eine neue Konzeption entwickelt (Rebecca Schmücker (Kitzig Identities, Lippstadt) und Dr. Anna Lammers, Münster). Der Wunsch des Heimatvereins war eine moderne, geordnete und nicht überfrachtete Präsentation mit Anbindung an die Gegenwart statt hauptsächlich historischem Fokus und Anspruch auf „möglichst viel“. Dafür bestand die Bereitschaft, sich von Vielem aus der alten Ausstellung zu trennen – neben zahlreichen, teils sehr großen Objekten (z.B. einem Beichtstuhl) auch von rund 100 Texttafeln und in die Jahre gekommenen, disparaten Ausstellungsmöbeln. Hinzugekommen ist unter anderem die Rallye „Letter-Entdecker“ für Kinder ab 8 Jahren.

Die Räume brachten spezifische Anforderungen mit sich: Im Erdgeschoss Mehrfachnutzung und ständiger Zugang, da das Heimathaus praktisch jederzeit für viele Gruppen und Vereine offen ist. Die wesentlichen Ausstellungsräume liegen im Dachgeschoss – das bedeutet Schrägen.

Die Verteilung der Themen in den Räumen brauchte eine deutliche Strukturierung und Gewichtung. Daher waren Themen-Inseln mit klarer Wegeführung die räumliche Lösung, luftige Raumteiler und farbige Unterscheidungen die gestalterische, starke Fokussierung auf begrenzte Themen und Objekte die inhaltliche.

Überblick: „Die Geschichte Lettes in 20 Objekten“ und „Sedimente der Sammlung“

Die Vielfalt und Masse des Bestands sollte dennoch in einem Querschnitt angedeutet werden. Deshalb begrüßen jetzt zwei Konzentrate die Gäste: Zum einen zeigen „Sedimente“ quasi Ablagerungen des Bestands, zum anderen sind dem gegenüber zehn Objektpaare mit Bezug zur Ortsgeschichte zusammengestellt. In einer neuen Medienstation können die Gäste außerdem durch einen Zeitstrahl klicken, Bilder und Hintergrundinformationen wählen.

Den Übergang zur Ausstellung im Dachgeschoss begleiten Fun Facts und persönliche „Schätzken“ von Letteraner:innen.

Ausstellungseinheiten: Geschichte und Spezialthemen

Oben eröffnet sich dann die reichhaltige Ortsgeschichte mit der Aufteilung auf die frühe Geschichte, die NS-Zeit und die Jahrzehnte davor und danach, sowie die Religion und das Thema Heimatforschung.

Das Glück wollte es, dass zu jedem Thema neueste archäologische und historische Forschung vorliegt, Exponate mit großen Geheimnissen und Legenden auftauchten, oder persönliche Zeugnisse an den Verein herangetragen wurden, wie die Lebenserinnerungen eines Bauern, an der sich vom ausgehenden 19. Jahrhundert über das frühe 20. Jahrhundert schließlich die NS-Geschichte Lettes konkret und weit auffächern lässt; zu dieser Geschichte wurden eigens Illustrationen erstellt und ein Hörspiel produziert. Zitate des Bauern konnten sogar noch von dessen Sohn (heute 88 Jahre alt) eingesprochen werden. Solche Schätze bereichern den historischen Teil der Ausstellung und machen die Geschichte und ihre Erforschung lebendig, anschaulich und konkret fassbar. Ebenfalls ein glücklicher Umstand war die relativ großzügige Planungszeit: Sie erlaubte gründliche Recherchen zu einigen Sachverhalten sowie die Instandsetzung und Erforschung zentraler Exponate.

Die historisch dichten Inhalte werden vielgestaltig vermittelt und in Ebenen sortiert: Wo Text erforderlich ist, gibt es in ansprechender Gestaltung die relevanten ersten Informationen zum Thema, in Auszügen und Registern sind Hintergrundinformationen und Details zur Vertiefung eingebaut.

Das heutige Lette: Hands-on!

Im zweiten Raum liegt der Fokus vor allem auf dem Leben im Lette heute, lebhaft und unkonventionell in der Gestaltung. Er bindet die Gäste immer wieder interaktiv ein: Hands-on! Die Vernetzung der Menschen, ihre Wege und ihre Lieblingsplätze im Ort und eine Videostation mit Wildtieraufnahmen bieten einige Erkenntnisse. Das Thema „Schule“ geht weg von der klassischen Aufstellung einer historischen Schulklasse. Viele Gästen dürften u.a. die Bildungsziele durch die Jahrhunderte und einige Details zum Alltag der Lehrkräfte überraschen. Eine kritische Reflexion des Begriffs „Heimat“ ist ebenfalls in diesem Raum platziert.

Plastische Stillleben

Im dritten und letzten Raum erwartet die Gäste eine Präsentation einiger Handwerke (Holz- und Lederschuhmacherei, Bäckerei, Leinenweberei), der Arbeit auf einem Hof und in der bäuerlichen Küche. Jeweils in einem eigenen, durch die luftigen Raumteiler umfassten Kabinett und inspiriert von niederländischen Stillleben des 17. Jahrhunderts sind Werkzeuge und Möbel aus originalen Letter Werkstätten und Betrieben inszeniert, und das so frisch und gegenwärtig, als habe dort jemand gerade noch gearbeitet. Nicht exotische und kostbare Objekte wirken hier, sondern die Gerätschaften des Alltags. Im liebevollen Arrangement wird ihr früherer hoher Wert für die Menschen erahnbar und gewürdigt. Ebenfalls inspiriert von niederländischen Stillleben bildet ein fulminantes Buquet aus heimischen Blumen aus Feld und Flur den sinnlichen Abschluss.

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MAGAZIN MUSEUM.DE
Ausgabe 55
Ort Xanten
Herausgeber Dipl.-Inf. (TU) Uwe Strauch https://www.museum.de/