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Tische & Stühle

Charakter zeigen

Tische und Stühle werden zum Markenzeichen moderner Hotel- und Gastronomiekonzepte. Planer und Architekten von Kitzig Interior Design und Appia Contract geben Einblicke in aktuelle Trends: von organischen Formen und neuen Materialwelten bis zu flexiblen Konzepten für die Räume von morgen.

Möbel sollen heute nicht nur funktionieren, sondern Geschichten erzählen.

VIKI KITZIG
KITZIG INTERIOR DESIGN


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Tische und Stühle sind längst mehr als reine Funktionsmöbel. Sie prägen Atmosphäre, Komfort und Identität eines Hauses und tragen entscheidend dazu bei, wie Gäste einen Raum wahrnehmen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Einrichtung: Möbel sollen langlebig, flexibel und pflegeleicht sein, unterschiedliche Nutzungsszenarien ermöglichen und dabei gestalterisch überzeugen. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass sich viele Hotels und Restaurants zunehmend von standardisierten Einrichtungskonzepten lösen. Individualität, hochwertige Materialien und multifunktionale Lösungen bestimmen die Gestaltung.

„Wir beobachten eine deutliche Abkehr von austauschbaren Einrichtungskonzepten. Möbel sollen heute nicht nur funktionieren, sondern Geschichten erzählen und einem Hotel oder Restaurant eine unverwechselbare Identität geben“, beschreibt Viki Kitzig von Kitzig Interior Design die Entwicklung. Laut Wolfgang Brunner, Geschäftsführer der Appia Contract GmbH, wird die Innenarchitektur heute bewusst als Alleinstellungsmerkmal verstanden. Statt eines einzigen Stuhlmodells für das gesamte Restaurant oder Hotel würden verschiedene Designs kombiniert. Hoteliers und Gastronomen seien deutlich offener für ausdrucksstarke Gestaltungslösungen als vor wenigen Jahren.

Hinwendung zu organischen Strukturen und Naturmaterialien

Auch die Formensprache verändert sich. Beide Unternehmen registrieren eine klare Hinwendung zu weichen, organischen Linien. Gefragt sind großzügig gepolsterte Stühle, gebogene Holz- oder Metallelemente sowie Tische mit markanten Untergestellen. Gleichzeitig müssen die Möbel flexibel bleiben und sich unterschiedlichen Raumkonzepten anpassen lassen. Bei den Tischplatten wünschen sich viele Kunden individuelle Oberflächen – von besonderen Dekoren bis hin zu Fliesen –, um dem Raum eine unverwechselbare Handschrift zu verleihen. Parallel dazu entwickelt sich die Farbgestaltung weiter. Nach Einschätzung von Carmen Krolo, Leiterin Innenarchitektur bei Appia, gewinnen kräftige Akzentfarben und lebendige Muster wieder an Bedeutung. Grafische Elemente wie Streifen werden gezielt eingesetzt und mit organischen Formen kombiniert. Ein einzelner Tisch oder Stuhl darf heute durchaus zum Blickfang werden. Viki Kitzig ergänzt, dass Räume dabei jedoch nicht perfekt, sondern authentisch wirken sollen.

Authentizität zeigt sich vor allem bei den Materialien: Holz, Naturstein und hochwertige Textilien prägen nach wie vor viele Konzepte und vermitteln Ruhe, Wärme und Wertigkeit. Gleichzeitig wächst die Bereitschaft, unterschiedliche Werkstoffe miteinander zu kombinieren. Naturmaterialien treffen auf glänzende Oberflächen, wodurch spannende Kontraste entstehen. Überraschend ist aus Sicht von Appia die Rückkehr von Edelstahl und Chrom in moderne Hotel- und Gastronomiekonzepte. Hinzu kommen Stoffe wie Cord oder Bouclé, die nicht nur eine angenehme Haptik verleihen, sondern auch optisch mehr Wärme ausstrahlen.

Trotz aller gestalterischen Freiheit bleibt die Alltagstauglichkeit ein entscheidendes Auswahlkriterium. „Design allein reicht längst nicht mehr aus“, betont Viki Kitzig. Möbel müssten robust, pflegeleicht und langlebig sein; auch die langfristige Verfügbarkeit von Ersatzteilen spiele für viele Kunden eine wichtige Rolle. Ähnlich argumentiert Appia: Neben Design und Komfort seien vor allem Stabilität, Wertigkeit und einfache Reinigung gefragt. Gerade angesichts des Personalmangels im Housekeeping seien leicht zu reinigende Möbel ein wichtiger Faktor. Aufwendige Polsterungen mit zahlreichen Fugen oder Knopfheftungen könnten sich im täglichen Betrieb als nachteilig erweisen.

Noch stärker als früher richtet sich die Möblierung an veränderten Nutzungsgewohnheiten aus. Hotels und Restaurants verwenden Flächen heute wesentlich vielseitiger. Frühstück, Coworking, Events oder Barbetrieb finden häufig innerhalb derselben Räume statt. Entsprechend gewinnen flexible Einrichtungskonzepte an Bedeutung.

„Hotels und Restaurants nutzen ihre Flächen heute wesentlich vielseitiger als noch vor einigen Jahren“, sagt Kitzig. Möbel müssten diese Veränderungen mitmachen, ohne ihre gestalterische Qualität zu verlieren. Auch Appia beobachtet, dass klassische Raumgrenzen zunehmend verschwinden. Lobby, Café, Restaurant und Bar gehen immer häufiger ineinander über und erfüllen mehrere Funktionen gleichzeitig. Morgens kann ein Bereich als Frühstücksfläche dienen, tagsüber als Seminarfläche und abends als A-la-carte-Restaurant oder Veranstaltungsfläche. Mobile Trennwände, verschiebbare Buffetlösungen sowie flexibel kombinierbare Tische, Stühle und Bänke schaffen die notwendige Anpassungsfähigkeit. Funktionalität soll sich jedoch harmonisch in das Gestaltungskonzept einfügen.

Individualisierung spielt dabei unabhängig von der Hotelkategorie eine zentrale Rolle. Standardkollektionen bilden häufig nur noch die Basis. Charakter entsteht durch die Kombination verschiedener Möbel, besondere Materialien oder maßgeschneiderte Lösungen. „Gäste erinnern sich selten an einen bestimmten Stuhl – sie erinnern sich an das besondere Gefühl, das ein Raum vermittelt“, weiß Kitzig . Auch bei Appia sind individuelle Lösungen heute selbstverständlich, Einbaumöbel von der Stange kaum noch gefragt. Stattdessen erwarten Bauherren maßgeschneiderte Ausführungen mit unterschiedlichen Oberflächen und Materialien.

Fokus auf Nachhaltigkeit, Komfort und Aufenthaltsqualität

Neben Gestaltung und Flexibilität rücken Komfort und Aufenthaltsqualität stärker in den Fokus. Ein Stuhl erfüllt seinen Zweck erst dann, wenn Gäste gern länger sitzen bleiben. Ergonomie und Sitzkomfort gehören deshalb zu den wichtigsten Auswahlkriterien. Gleichzeitig beeinflussen Polsterungen, Materialien und Möblierung die Akustik eines Raumes. Gerade offene Raumkonzepte profitieren von einer durchdachten Zonierung, die Rückzugsmöglichkeiten schafft und unterschiedliche Bereiche voneinander abgrenzt, ohne den offenen Charakter zu verlieren.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit verändert sich die Planung. Für Kitzig beginnt sie bereits lange vor der Auswahl neuer Möbel. Bei Renovierungen werde zunächst geprüft, welche Einrichtungsgegenstände erhalten, aufgearbeitet oder in einen neuen Kontext integriert werden können. Gleichzeitig werde bereits bei der Neuplanung berücksichtigt, wie sich Möbel nach zehn oder fünfzehn Jahren neu beziehen, ergänzen oder umgestalten lassen. Appia sieht ebenfalls langlebige Materialien und hohe Qualität als wesentliche Bestandteile nachhaltiger Einrichtungskonzepte. Strapazierfähige Stoffe und widerstandsfähige Materialien tragen dazu bei, dass Möbel den hohen Anforderungen des Betriebs über lange Zeit standhalten.

Für die kommenden Jahre erwarten beide Unternehmen keine kurzfristigen Modeerscheinungen, sondern eine konsequente Weiterführung der aktuellen Entwicklungen. Stühle und Tische werden in der Hotellerie und Gastronomie stärker über ihren gesamten Lebenszyklus gedacht und sollen sich flexibel an neue Anforderungen anpassen lassen. Qualität, Individualität und Langlebigkeit gewinnen weiter an Bedeutung. Gleichzeitig wird die Einrichtung noch stärker zur Visitenkarte eines Hauses – mit Tischen und Stühlen, die weit mehr sind als funktionale Ausstattung und den Charakter eines Hotels oder Restaurants nachhaltig prägen.

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Beitrag vom: 08.08.2026
Ort Frankfurt am Main
Verlag dfv Mediengruppe