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Die Kunst des Bilderaufhängens

Nicht nur die Auswahl der Möbel ist wichtig. Auch die geschickte Kombination von Bildern an den Wänden macht ein Zuhause gemütlich. Ein Experte erklärt, wie es funktioniert

Essen. Übereinander, nebeneinander, diagonal oder wild durcheinander? Es gibt unzählige Möglichkeiten, Bilder an die Wand zu bringen. Die Varianten sind so vielfältig wie die Sketche von Loriot, einer der bekanntesten ist der über das schiefe Bild. Bei ihm kann man über die „schräge“ Situation lachen. Wer selbst vor der Aufgabe steht, eine Wand zu schmücken, dem kann das Lachen allerdings schnell vergehen.

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Denn es gibt eine Menge zu beachten: Wie gestalte ich meine Wand? Welche Bilder kann ich verwenden? Und wie kann ich diese am besten anordnen? Macht man einen Fehler, hängt im schlimmsten Fall nicht nur ein Bild schief, sondern auch der Haussegen.

„Dahinter steckt viel Philosophie. Aber zu 90 Prozent zählt der eigene Geschmack.“ Olaf Kitzig, Designer

Olaf Kitzig hat in seiner privaten Wohnung seine Bilder auf dem Goldenen Schnitt hängen, auf der Linie die immer im Blickfeld liegt. Das macht er aus einem einfachen Grund: Ihm persönlich gefällt es so am besten. Der Innenarchitekt weiß: „Wir sollten unsere Wände so gestalten, dass wir uns wohl fühlen. Da gibt es keine Regel, die man immer anwenden kann.“

Die Petersburger Hängung
Bevor es richtig los ge mit der Wandgestaltun es zunächst wichtig, d tige Wand und die rich oder Tapete auszusuchen. Entscheidend ist dabei vor allem das Licht, das auf die Wand fällt. Steht sie im Tages- oder Kunstlicht? Sobald diese Entscheidung getroffen ist, kann man mit der eigentlichen Wandgestaltung beginnen. „Man kann natürlich mit Konsolen, Schränken und Sideboards arbeiten. Doch die Bilder spielen eine ganz entscheidende Rolle.“

Orientieren kann man sich an einigen klassischen Hängungen, die es einfacher machen, die perfekte Wand für sich zu gestalten. Die wohl bekannteste ist die „Petersburger Hängung“. Diese Art der Bilderreihung kommt aus Sankt Petersburg und reicht bis zur Spätrenaissance zurück.

Das Besondere an der Petersburger Hängung ist die große Anzahl der verwendeten Bilder. Die Menge kann zunächst chaotisch wirken, durch gleiche Bildgrößen, gleiche Rahmen oder gleiche Abstände kommt jedoch Ordnung ins vermeidliche Chaos. „Der enorme Vorteil ist, dass man sehr individuell hängen kann“, sagt Kitzig. „Ich habe in meinem Flur die Petersburger Hängung. Da hängen neben Kunstwerken Bilder meiner Kinder.“

Zum einen können die Bilder gruppiert aufgehangen werden, so dass eine ungerade Anzahl an Bildern von groß nach klein ausläuft. Eine andere Möglichkeit wäre es, drei gleich große Gemälde oder Fotos auf die gleiche Höhe zu hängen oder auch nur ein großes Einzelbild zentriert an der Wand zu befestigen.

Moderne Wandgestaltung
Neben den klassischen Mustern gibt es einige moderne Möglichkeiten, eine Wand individuell zu gestalten. Neben magnetischer Tapete gibt es zudem eine besondere Farbe, Schultafellack, die nicht nur magnetisch, sondern auch beschreibbar ist. „So kann man sich Nachrichten auf der Wand hinterlassen“, sagt Kitzig. Doch auch Makramee, eine alte Knüpftechnik, die ursprünglich aus dem Orient stammt, wird für die Wandgestaltung immer beliebter. „Diese Technik wird modern interpretiert und vor die Wände gehangen.“ Diese Art der Wandgestaltung sei bisher vor allem bei jungen Leuten beliebt.

Die Gestaltung des Raumes lasse oft auf die Person schließen, die in dieser Wohnung lebt. „Eine perfekte Hängung gibt es nicht“, macht Kitzig klar. „Dahinter steckt ganz viel Philosophie, tatsächlich sind 90 Prozent aber reiner Geschmack.“

Von Lea Wittor

„Kitzig Interior Design – Architecture Group“

Olaf Kitzig ist Innenarchitekt und Designer, der mit seinen Projekten in Europa und international tätig ist. 1998 gründete er seine Firma „Kitzig Interior Design – Architecture Group“ in seiner Heimatstadt Lippstadt. 2001 eröffnete er ein zweites Büro in Bochum. Weitere Büros in München und London folgten.

Neben der perfekten Wand beschäftigt er sich vor allem mit der Ausstattung von Hotels, Restaurants und Geschäften.

Die Firma bekommt etwa sechs bis acht private Projekte und etwa 60 geschäftliche Projekte im Jahr. Die meisten privaten Kunden kommen aus dem Münchener Raum.

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WAZ – Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Ausgabe 24.01.2019
Von Lea Wittor
Ort Essen
Verlag https://www.waz.de/