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Inspiration aus dem Keller

Olaf Kitzig entwirft Interieurs von Hotels, Restaurants und Geschäften – von Ibiza bis nach Sibirien. Die Ideen dazu holt er sich in einem Materialfundus in seiner Lippstädter Villa

Im Keller seiner zweihundert Jahre alten Villa in Lippstadt hütet Olaf Kitzig einen Schatz: Es sind Stoffe aller Art, Filz, Holz, Fliesen und andere Accessoires, die er von Reisen rund um die Welt mit in seine Heimatstadt gebracht hat.

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Aus diesem Fundus könne er immer wieder aufs Neue schöpfen, sagt der 47 Jahre alte Designer. Und wenn er einen Auftrag bekommt, dann steigt er in diesen Keller und sucht die Materialien für ein neues Konzept zusammen und legt sie in eine kleine Box. Mit diesem Materialmix und einer Computer-Simulation geht Kitzig dann zum Kunden. „Der kann sich dann meistens schon gut vorstellen, wie es später einmal aussehen soll.“ Im Empfangsbereich seines Hotels zum Beispiel, in der Bar oder in den Bädern.

Genau 20 Jahre nach der Firmengründung und nach 570 abgeschlossenen Projekten stellt Kitzig gerade im Düsseldorfer Nobelstadtteil Oberkassel einen ähnlichen, neuen Fundus zusammen. Denn Kitzig eröffnet in der Landeshauptstadt zum Jahresende sein viertes Büro, nach Lippstadt, Bochum (im Jahr 2001) und München (2011). Drei Architekten hat er für Düsseldorf bereits eingestellt, bis zu neun sollen es werden. Dann hätte seine kleine Gruppe mit den Sparten Architektur, Design und Dekoration rund 70 Mitarbeiter.

„Es ist schwierig, gute Architekten und Designer zu finden“, sagt Kitzig. Aktuell betreut er 87 Projekte, von Hoteleinrichtungen in Russland über Bürobauten für den TÜV Süd in München bis hin zu sechs Brauereihäusern in China. „Die Chinesen lieben diese deutsche Brauhausatmosphäre“, sagt Kitzig, der ein Drittel des Jahres auf Reisen ist.

Dabei hat alles ganz überschaubar in Westfalen angefangen. Mit 16 Jahren begann Olaf Kitzig bei einem Lippstädter Restaurateur eine Lehre als Maler und Lackierer. „Ich habe aber nur einen einzigen Tag in meinem Leben alte Tapeten abgerissen.“ Dann ging es ans Restaurieren und Vergolden alter Objekte, Kitzig hatte sein Metier gefunden. Nach einer Fortbildung zum Schauwerbegestalter und dann noch als Möbelfachhändler in Köln folgten Wanderjahren als Restaurator und Verkäufer exklusiver Möbel in England und auf Malta. In den USA hat er eine Zeit lang exklusive Golfclubs im Auftrag deutscher Investoren eingerichtet.

Doch vor genau 20 Jahren zog es Kitzig zurück nach Lippstadt, im August 1998 eröffnete er sein erstes Design-Büro. „Mein erstes Projekt war ein Sonnenstudio von 30 Quadratmetern“, erinnert sich Kitzig lachend. Damals sei er noch mit handkolorierten Zeichnungen zum Kunden gegangen. Als er dann zwei Jahre später das Raumkonzept für einen exklusiven Schuhladen erarbeiten durfte, kam die Karriere in Fahrt, schon bald hatte Kitzig fünf Mitarbeiter.

Mittlerweile hat der Inhaber rund 60 Architekten, Grafiker und Designer unter Vertrag, mehr als 90 Prozent davon Frauen. Etwa Geschäftsführerin Donata Ridder, die nun auch das Düsseldorfer Büro leiten wird. „Unsere Arbeit ist weit mehr als nur die Ausstattung eines Hotels oder Büroobjektes“, berichtet die Hochbau- Architektin, die in Dortmund studiert hat und seit zehn Jahren für Kitzig tätig ist. Im Grunde starte man mit einem festen Team nach dem Rohbau mit der Koordination der Lüftungs-, Elektro- und Sanitärplanungen sowie mit der Beleuchtungstechnik. „Das Lichtkonzept ist sehr wichtig“, sagt Ridder. Sie zeigt ausgeklügelte Beleuchtungsschemata, die für den Kunden bis ins letzte Detail erarbeitet und auf sogenannten Renderings bereits im Vorfeld bis zum letzten Schalter im Computer erstellt werden. „Nur wenn das Licht stimmt, wird es auch richtig schön“, sagt Ridder.

VIELE KUNDEN AUS NRW

Ridder hat für Kitzig unter anderem den Umbau des Schlosshotels Fleesensee an der Mecklenburgischen Seenplatte geleitet. Kitzig selber wiederum hat im Juni eine Hotelanlage auf der Balearen-Insel Ibiza fertiggestellt. „Für so ein Objekt wie auf Ibiza muss man mit seinem Team bis zu dreieinhalb Jahre einplanen.“ In einer Präsentation zeigt Kitzig, wie aus einer 70er-Jahre-Clubanlage ein durchgestyltes Resort wurde, das nun den Namen Seven Pines trägt. Auftraggeber war ein Düsseldorfer Investor, der auch andere Immobilienprojekte durch die Lippstädter begleiten lässt. „Das ist auch mit ein Grund, warum wir nun hier in Düsseldorf eine Niederlassung eröffnen“, sagt Kitzig.

Freilich geht es auch darum, der Konkurrenz Paroli zu bieten. „Wir gehören mittlerweile zu den fünf größten europäischen Büros für Interior Design“, sagt Kitzig. Natürlich sei der Wettbewerb hart, und vor allem das Londoner Büro Dexter Moren habe bei internationalen Projekten schon mal die Nase vorn. Doch in Deutschland habe man mittlerweile viele Kunden, die auf langfristige Zusammenarbeit setzen. „Für die Familie Grote etwa, die die GOP-Varietétheater betreiben, arbeite ich nach 20 Jahren mittlerweile für die dritte Generation“, berichtet Kitzig. Auch für Hotelgruppen wie Accor, Hilton und Lindner aus Düsseldorf sei er bereits Jahre aktiv. Für die Lindner-Gruppe hat der Lippstädter auch die neue Marke „Me&all“ mit designt.

LUST AUF ABENTEUER

Vor zwölf Jahren war in Stuttgart ein erstes Hotel für die französische Accor- Gruppe das Entree für ein wichtiges Wachstumssegment. Allein 14 Hotels hat Kitzig mittlerweile in Russland ausgestattet, von Moskau bis Sibirien, 120 Mal ist er dorthin geflogen. An seinem Schreibtisch aus weißem Carrara-Marmor hat Kitzig mittlerweile einen kleinen Glastisch für Besprechungen mit Mitarbeitern und Kunden stehen. Das habe er in Russland so gesehen, der Chef verschanze sich dort nie hinter seinem Schreibtisch. „Die Russen sind sehr ehrliche, offene Menschen und verlässliche Geschäftspartner“, sagt Kitzig, der im sibirischen Tyumen gerade ein 16.000 Quadratmeter großes Shopping- Center und im weißrussischen Minsk ein Hotel baut. „Man braucht ein wenig Abenteuerlust“, sagt er. Aber natürlich auch Bodenhaftung und Beständigkeit. Schließlich ist er Westfale.

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Welt am Sonntag
Ausgabe 7.10.2018
Von Guido M. Hartmann
Ort Berlin
Verlag https://www.welt.de/weltamsonntag/