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Die Kitzig-Handschrift

Innenarchitektur made in Lippstadt ist in der ganzen Welt zu Hause
Von Carolin Cegelski

„Wer sagt, dass man Braun und Grau nicht kombinieren darf?” Olaf Kitzig rückt von dem großen Besprechungstisch ab und streckt sein linkes Bein in die Luft. Der Designer trägt braune Socken zur grauen Hose. „Ich möchte Althergebrachtes durcheinanderbringen.”

Das gilt auch für sein neues Büro, eine stuckverzierten Villa an der Wiedenbrücker Straße 2. Der Designer hat dem denkmalgeschützten Altbau von 1808 mit viel Liebe zum Detail seinen Stempel aufgedrückt: heller Holzboden, eine dunkle Zimmerdecke, ein olivgrünes Sofa, zwei lachsfarbene Sessel im Stil der 1950/60er, bunte Teppiche und Bilder — geradlinig, aber kontrastreich. Es ist die Kitzig-Handschrift. Und für die ist der Lippstädter weltweit bekannt.

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Hilton, Accor Hotels, Radisson Blu, Steigenberger, das GOP Varieté, die Deutsche Bahn, Lufthansa — es ist nur ein Auszug aus dem Kundenportfolio des mit Auszeichnungen dekorierten Designer — der eigentlich gar nicht Designer werden wollte.

Olaf Kitzig wollte lediglich Unternehmer werden. „Selbstständig sein“, sagt er. „Dabei komme ich gar nicht aus einem Unternehmerhaushalt. Das habe ich in der Kinderstube für mich entdeckt.“ Im Spiel mit der Schwester. Er ist der Chef, sie die Sekretärin. Dann bekommt er die erste Fünf im Kunstunterricht, weil er anderer Meinung ist als seine Lehrerin. „Da war mir klar, dass ich etwas mit Mode, Kunst, Architektur machen möchte.“

Olaf Kitzig macht eine Ausbildung zum Maler und Lackierer — bei Alfred Köhne. Mit 16 Jahren. „Ich hatte Glück, dass ich Einblicke in den Bereich Restauration und kreative Wandgestaltung bekommen konnte“, sagt der 47-Jährige. Aber das reicht ihm nicht. Er wird Schauwerbegestalter. Und ihm wird klar: „Ich gehe in den Bereich Interior Design.“

Nicht in Lippstadt. Olaf Kitzig zieht hinaus in die Welt — und strandet auf Malta. Er kauft sich bei einem Antiquitätenhändler ein, verkauft und restauriert Möbel. „Alle haben gesagt, du bist in drei Wochen pleite.“ Sie liegen falsch. Die Arbeit bestärkt Kitzig in seinem Berufswunsch. In Köln macht er eine Ausbildung zum staatlich geprüften Einrichtungsfachberater. „Ein großartiger Name“, findet er. „Es gibt einfach keine normalen Berufsbezeichnungen mehr.“

In Georgia und South Carolina richtet er Golf-Clubs ein, dann geht’s nach London, ehe er sich 1998 in Lippstadt selbstständig macht. „London war mir einfach zu groß, es ist schwierig, ohne Geld Fuß zu fassen. Interior Design ist ein Ellenbogen-Markt.“

Aber die „Passion“ von Olaf Kitzig. „Ich mache den Job so lange, wie ich atme.“ Ob er aber alles immer selbst designt? Wohl nicht. „90 Prozent der Entwürfe mache ich selbst“, sagt der Mann, der 100 Tage im Jahr unterwegs ist. Der Wunsch des Kunden steht im Mittelpunkt. „Kreativität macht nur zehn Prozent des Berufes aus — der Rest ist Abarbeiten von Excel-Tabellen, Kostenkalkulation, Produktionsüberwachung, Management.“

Kitzigs Unternehmen zählt heute 77 Mitarbeiter. Sie arbeiten international — in Lippstadt, München, Bochum, London und demnächst auch Düsseldorf. Architekten, Innenarchitekten, Designer, Projektmanager. Sie kennen die Handschrift des Chefs. Einige können sie. Das letzte Wort hat aber immer Olaf Kitzig. Insgesamt hat das Team 650 Projekte in 32 Ländern realisiert. Derzeit arbeiten sie an 87 Aufträgen. Spezialgebiete: Gastronomie, Hotellerie, Büro, Einzelhandel. Dazu kommen zwei bis drei Privatprojekte im Jahr.

Die Konzepte erarbeitet Olaf Kitzig oldschool — mit Stift und Papier. „Am Computer kann ich nichts.“ Die Entwürfe entstehen im Kopf. „Dann fange ich an zu zeichnen.“ Authentisch muss es sein. „Ich mache nicht das beste Design, ich mache das richtige.“

Gibt’s Vorbilder? Nein. „Ich orientiere mich nach oben“, sagt er und lacht. „Gute Kunst, ein tolles Theaterstück, Reisen oder eine Coladose auf dem Asphalt inspirieren mich mehr als ein Möbelstück.“

Kitzig versucht, die Designs aus der Emotionalität heraus zu entwickeln. „Es kann durchaus gewisse Überraschungsmomente geben.“ Die Entwürfe sollen ansprechen, provozieren. „Ich liebe den Goldenen Schnitt, missachte ihn aber permanent.“

Das zeigt sich in seinem neuen Büro in der Villa an der Wiedenbrücker Straße, die im letzten Jahr aufwendig restauriert wurde. An das dreistöckige Haus wurde 1828 ein Kutscherhaus angebaut. „Ich liebe alte Bausubstanz.“ In dem Haus reichen sich Alt und Neu die Hand. Die Kombination aus Historischem und Modernem verleiht dem Gebäude eine frische Note. Ausgewählte Kunstwerke von Künstlern wie Amir H. Fallah sind Hingucker, ein Kamin wurde zur Bar umfunktioniert, das Jagdzimmer zur Küche. Nicht nur zur Veränderung des Hauses passt der Spruch in den Buntglasfenstern der Eingangstür: „Fest stehen immer, still stehen nimmer.“

Er passt auch zu Olaf Kitzig und seinem Unternehmen, das stetig wächst. Unter dem Dach der Kitzig Design Studios gibt es neben Kitzig Interior Design seit neuestem nämlich die Kreativbüros Kitzig Details und Kitzig Identities — für die Bereiche Kommunikationsdesign und Produktmanagement. „Um in der Branche erfolgreich zu sein, braucht man ein Gespür für Menschen, Form und Farbe — und ein unendliches Durchhaltevermögen“, sagt Olaf Kitzig. Und Menschen, die einen runterholen. Kinder zum Beispiel. „Mit ihrer Art, die Welt zu sehen, schaffen es meine beiden Söhne, mich in den Freizeitmodus zu kicken.“

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Der Patriot
Ausgabe 02. Oktober 2018
Ort Lippstadt
Verlag https://www.derpatriot.de/